Viele Jahre später, als Thomas’ Bart weiß geworden war und seine Schritte langsamer, kehrte er eines Tages an den Rand des Dorfes zurück. Nicht aus Rache, sondern aus Mitgefühl. Eine schwere Seuche hatte das Dorf heimgesucht. Viele lagen im Sterben. Der alte Stammesführer, nun ein gebrochener Mann, saß am Sterbebett seiner letzten Tochter.
Thomas kam nicht allein. Die vier Wölfe – inzwischen alt, aber noch immer stark – begleiteten ihn. Die Dorfbewohner, die ihn einst verurteilt hatten, fielen auf die Knie. „Vergib uns“, flehten sie. Thomas lächelte nur müde. Mit den Kräutern, die er im Wald gesammelt hatte, und dem Wissen der Einsiedlerin (die inzwischen verstorben war und ihm ihr gesamtes Wissen vermacht hatte) heilte er viele.
In seiner letzten Stunde saß der ehemalige Stammesführer neben Thomas. „Ich habe mein Leben mit Hass und Angst verschwendet“, flüsterte er. „Du hast mit Liebe gelebt.“ Thomas legte ihm die Hand auf die Schulter. „Wir alle machen Fehler. Wichtig ist nur, dass wir daraus lernen.“
Als Thomas schließlich friedlich in seiner Waldlichtung starb, umgeben von seinen vier treuen Wölfen, geschah ein letztes Wunder. Die Wölfe heulten nicht traurig, sondern trugen seinen Körper auf einer Bahre aus Ästen tief in den Wald, zu einer verborgenen Quelle. Dort legten sie ihn nieder. In derselben Nacht blühten um die Quelle weiße Blumen auf, die nie zuvor jemand gesehen hatte.

Die Legende lebt bis heute weiter: Wer mit reinem Herzen in den Wald geht und um Hilfe bittet, dem soll ein Wolf erscheinen und ihn sicher nach Hause führen. Das Dorf aber errichtete ein kleines Denkmal am Dorfplatz – keinen Helden aus Stein, sondern eine schlichte Bank, auf der jeder sitzen durfte, der sich an Thomas’ Geschichte erinnern wollte.
Und so endet die Geschichte des Zwerges Thomas: Nicht mit Rache oder Triumph, sondern mit Vergebung, Frieden und der ewigen Wahrheit, dass Güte stärker ist als jede Anschuldigung und dass selbst die wildesten Herzen die Unschuld erkennen.
Die Wölfe aber streifen noch immer durch die Wälder – als stille Wächter der Gerechtigkeit.
